Mammon
Die Sache mit den Blogs und dem Geld. Über den geschätzten Medienjunkie habe ich diesen Telepolis-Artikel entdeckt, beziehungsweise, Payperpost.com, wo Blogger Geld dafür bekommen, wenn sie bestimmte Produkte in ihren Artikeln erwähnen. Also schleichwerben. Für die Einen mag das eine günstige Gelegenheit sein, ein Zubrot zu verdienen. Für andere ist es Prostitution. Und Verrat am Leser.
Parallel dazu läuft gerade in Deutschland eine Diskussion darüber, ob Blogger Geld verdienen dürfen. In dem Fall Payperpost fällt mir das Urteil persönlich leicht: Es ist Schleichwerbung, Prostitution, Verrat – und verstößt obendrein auf ekelhafte Weise gegen journalistische Grundsätze: die klare, transparente Trennung von Werbung und Redaktion. Der Leser wird hier über die wahren Motive hinweg getäuscht, benutzt, missbraucht, verarscht. Das ist unethisch.
Productplacement ist trotzdem kein Novum. Auch der Versuch, Produkte redaktionell besprechen zu lassen, ist weder in Redaktionen, noch in Blogs unbekannt. Man denke nur an die vier Opel-Blogger. Auch dazu gab es viele Diskussionen: Bestechung? Prostitution? Oder eine mediale Aufwertung der Blogs? Auf jeden Fall war spätestens damit das Buffetbloggen geboren: Man lädt Autoren zu einer Art „Buffet“ ein, damit diese anschließend darüber (indirekt) berichten – lieber positiv als negativ. Wie gesagt, das ist nicht neu. In den Redaktionen heißt so etwas Pressereise oder -event. Sie sind Stiefkinder, aber in Zeiten knapper Budgets und bei kleinen Redaktionen oft ohne Alternativen. Sittenwidrig wird es dabei erst, wenn man seine Leser über die Absprachen im Ungewissen lässt. Wer hier Transparenz schafft, lässt dem Leser zumindest die Wahl, wie er das „objektive“ Urteil bewertet. Die vier Vectralblogger haben das mehr und weniger getan.
Aber das ist gar nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass sich hier zu Lande sowohl die Versuche mehren, mit Bloggern Geld, Image oder Inhalte zu machen (aktuell etwa mit Katharina Borchert, alias Lyssa, die bald als Chefredakteurin der Onlineprojekte der Essener WAZ-Gruppe fungiert oder Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, der ab 1. August bei der PR-Beratung Edelmann "Chief Blogging Officer" wird) als auch die Versuche der Blogger selbst etwas Geld zu verdienen – sei es durch Bandenwerbung – wie etwa beim Bildblog, das sich inzwischen von der Berliner Agentur Sternzeit Media vermarkten lässt – oder durch den Verkauf von Devotionalien wie Tassen, T-Shirts, Artikeln oder Vlogs. Kurz: Es ist die einsetzende Kommerzialisierung eines jungen Medienkanals. Auch das ist zunächst völlig normal und gut so.
Dass jemand, der Zeit und Hirnschmalz investiert, um Leser zu informieren oder zu amüsieren, nicht abgeneigt ist, wenn er damit auch ein paar Cent verdienen kann, verstehe ich. Dass dies nur diejenigen können, die entsprechende Zielgruppen erreichen, und dass daraus Neid entstehen kann, ebenso. Was ich aber kopfschüttelnd zur Kenntnis nehme, sind zwei Entwicklungen:
Die Erste ist nicht neu. Sobald jemand mit seinem Blog Geld verdient, wird seine gesamte Objektivität automatisch infrage gestellt. Motto: Geld verdirbt den Charakter. Entscheidend ist aber doch, wie die Autoren mit ihren Sponsoren und Lesern umgehen. Bleiben ihre Motive, über dies oder das zu berichten, transparent, ist es mir schnuppe, ob und von wem jemand Geld bekommt. Ich lese den Artikel, und wenn ich das Gefühl habe, dem Autor fehlt jeglicher Abstand, jedwede Professionalität, dann lese ich nicht weiter – oder ihn im Extremfall gar nicht mehr.
Die zweite Entwicklung finde ich bedenklicher: An Blogs schätze ich vor allem die Varianz – das Potenzial, die herrschenden Medien zu ergänzen, indem sie Themen aufgreifen, die sonst untergehen oder indem sie Themen aus neuen Blickwinkeln beleuchten. Blogs bieten die Chance, da kritisch zu sein, wo es andere Berichterstatter nicht mehr sind (oder nicht sein können). Bedauerlich ist, dass dies hier zu Lande noch selten der Fall ist. Und bedenklich wird es, wenn der einsetzende Kommerz dafür sorgt, dass Blogger künftig nur noch die Themen besetzen, die von Buffets begleitet werden; wenn PR- oder Werbe-Agenturen die Themen setzen und ihnen von Anerkennungs- und Bedeutungssucht getriebene Autoren folgen. Und so ist das Top-Thema im Blogdings noch immer das Bloggen selbst, PR-Aktionen und der öde Mammon. Es sind nicht Politik, Gesundheitsreform, Unternehmen, Entlassungen, Manager, Wirtschaftsethik, Feuilleton. Schade.
Parallel dazu läuft gerade in Deutschland eine Diskussion darüber, ob Blogger Geld verdienen dürfen. In dem Fall Payperpost fällt mir das Urteil persönlich leicht: Es ist Schleichwerbung, Prostitution, Verrat – und verstößt obendrein auf ekelhafte Weise gegen journalistische Grundsätze: die klare, transparente Trennung von Werbung und Redaktion. Der Leser wird hier über die wahren Motive hinweg getäuscht, benutzt, missbraucht, verarscht. Das ist unethisch.
Productplacement ist trotzdem kein Novum. Auch der Versuch, Produkte redaktionell besprechen zu lassen, ist weder in Redaktionen, noch in Blogs unbekannt. Man denke nur an die vier Opel-Blogger. Auch dazu gab es viele Diskussionen: Bestechung? Prostitution? Oder eine mediale Aufwertung der Blogs? Auf jeden Fall war spätestens damit das Buffetbloggen geboren: Man lädt Autoren zu einer Art „Buffet“ ein, damit diese anschließend darüber (indirekt) berichten – lieber positiv als negativ. Wie gesagt, das ist nicht neu. In den Redaktionen heißt so etwas Pressereise oder -event. Sie sind Stiefkinder, aber in Zeiten knapper Budgets und bei kleinen Redaktionen oft ohne Alternativen. Sittenwidrig wird es dabei erst, wenn man seine Leser über die Absprachen im Ungewissen lässt. Wer hier Transparenz schafft, lässt dem Leser zumindest die Wahl, wie er das „objektive“ Urteil bewertet. Die vier Vectralblogger haben das mehr und weniger getan.
Aber das ist gar nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass sich hier zu Lande sowohl die Versuche mehren, mit Bloggern Geld, Image oder Inhalte zu machen (aktuell etwa mit Katharina Borchert, alias Lyssa, die bald als Chefredakteurin der Onlineprojekte der Essener WAZ-Gruppe fungiert oder Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, der ab 1. August bei der PR-Beratung Edelmann "Chief Blogging Officer" wird) als auch die Versuche der Blogger selbst etwas Geld zu verdienen – sei es durch Bandenwerbung – wie etwa beim Bildblog, das sich inzwischen von der Berliner Agentur Sternzeit Media vermarkten lässt – oder durch den Verkauf von Devotionalien wie Tassen, T-Shirts, Artikeln oder Vlogs. Kurz: Es ist die einsetzende Kommerzialisierung eines jungen Medienkanals. Auch das ist zunächst völlig normal und gut so.
Dass jemand, der Zeit und Hirnschmalz investiert, um Leser zu informieren oder zu amüsieren, nicht abgeneigt ist, wenn er damit auch ein paar Cent verdienen kann, verstehe ich. Dass dies nur diejenigen können, die entsprechende Zielgruppen erreichen, und dass daraus Neid entstehen kann, ebenso. Was ich aber kopfschüttelnd zur Kenntnis nehme, sind zwei Entwicklungen:
Die Erste ist nicht neu. Sobald jemand mit seinem Blog Geld verdient, wird seine gesamte Objektivität automatisch infrage gestellt. Motto: Geld verdirbt den Charakter. Entscheidend ist aber doch, wie die Autoren mit ihren Sponsoren und Lesern umgehen. Bleiben ihre Motive, über dies oder das zu berichten, transparent, ist es mir schnuppe, ob und von wem jemand Geld bekommt. Ich lese den Artikel, und wenn ich das Gefühl habe, dem Autor fehlt jeglicher Abstand, jedwede Professionalität, dann lese ich nicht weiter – oder ihn im Extremfall gar nicht mehr.
Die zweite Entwicklung finde ich bedenklicher: An Blogs schätze ich vor allem die Varianz – das Potenzial, die herrschenden Medien zu ergänzen, indem sie Themen aufgreifen, die sonst untergehen oder indem sie Themen aus neuen Blickwinkeln beleuchten. Blogs bieten die Chance, da kritisch zu sein, wo es andere Berichterstatter nicht mehr sind (oder nicht sein können). Bedauerlich ist, dass dies hier zu Lande noch selten der Fall ist. Und bedenklich wird es, wenn der einsetzende Kommerz dafür sorgt, dass Blogger künftig nur noch die Themen besetzen, die von Buffets begleitet werden; wenn PR- oder Werbe-Agenturen die Themen setzen und ihnen von Anerkennungs- und Bedeutungssucht getriebene Autoren folgen. Und so ist das Top-Thema im Blogdings noch immer das Bloggen selbst, PR-Aktionen und der öde Mammon. Es sind nicht Politik, Gesundheitsreform, Unternehmen, Entlassungen, Manager, Wirtschaftsethik, Feuilleton. Schade.
Wolle - 5. Jul, 16:03

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